Ich wollte endlich wieder einmal, an einem interessanten Ort, Bilder am Abend und am frühen Morgen machen. Das Licht  und die Stimmung ist in der Regel um diese Zeit perfekt. Einen guten Spot dazu hatte ich schon lange auf dem Radar. So begann ich ab Dienstag die Wetterprognose zu beobachten und musste leider feststellen, dass diese wieder einmal genau auf das Wochenende immer schlechter wurde. Alternativen gab es nicht viele. Der ganze Alpenhauptkamm fiel aus. Überall war am Samstag Abend Regen und bedeckter Himmel voraus gesagt. Übrig blieben nur noch die Walliser Südtäler. Meine Wahl fiel auf den Lac des Autannes. Diesen Ort kenne ich von einer Bergwanderung auf den Sasseneire, die ich mit Helene zusammen vor ein paar Jahren gemacht hatte.

So fahre ich nun gemütlich ins Wallis. Bei Vissoie endet die Gemütlichkeit. Ich habe irgendwie nicht mitbekommen, dass an diesem Wochenende der Grand-Raid BCV stattfindet. Dabei geht es um ein Mountainbike Rennen das über 125 Km von Verbier nach Grimentz führt. Deswegen ist auch die direkte Route nach Grimentz gesperrt. Die Strassen sind teilweise zu PP umfunktioniert worden und können  deswegen nur in einer Richtung befahren werden. Das Rennen hat ca. 3'000 Teilnehmer und ca. 30'000 Zuschauer.  Der Umweg führt über Zinal nach Grimentz. Meine Befürchtung, dass die Strasse hinauf zur Staumauer des Moiry Stausees gesperrt sein könnte ist glücklicherweise umsonst. Ein wenig später als geplant ergattere einen der letzten Parkplätze.

Das Wetter ist noch gut, so werden die Wanderschuhe montiert und das Zelt, der Schlafsack und das Stativ am Rucksack festgebunden und los geht es. Der Rucksack ist bei weitem nicht mehr so schwer wie bei meiner letzten Biwaktour. Der Wechsel vom Nikon Vollformat auf Fuji im APSC Format hat sich bezüglich Gewicht und Volumen voll ausbezahlt.

So kommen wir zur Ausrüstung die ich während einer Biwaktour herumtrage. An Fotoausrüstung hatte ich das folgende Equipment mit dabei:

 

  • Fuji X-T2 mit den Objektiven
  • FUJINON XF18-55mm F2.8-4 R LM OIS
  • FUJINON XF10-24mm F4 R OIS
  • FUJINON XF100-400mm F4.5-5.6 R LM OIS WR
  • Samyang 12mm f/2 NCS CS - Fujifilm XF,
  • NISI Filter
  • Ersatz Akkus
  • Stativ Gitzo Mountianeer 3542
  • Kugelkopf Q3I-PS von Markins

 

Die restliche Ausrüstung umfasst folgende Gegenstände:

  • Rucksack: F-Stop Sukha
  • Schlafsack: ein ca. 30 Jahre alter Kunstfaser Schlafsack
  • Isomatte von Kaikialla
  • Zelt: Hilleberg Niak

Dazu noch die üblichen Gegenstände wie ein Minimum an Reservekleidung und Esswaren.

 

Mit dieser Ausrüstung ist der Rucksack zwar ziemlich gross aber nicht wirklich schwer.

Nach einer halben Stunde Aufstieg beginnt es doch tatsächlich zu regnen. Gemäss Wettervorhersage sollte das eigentlich nicht sein. Der Regen geht ziemlich zügig in einen Starkregen über.  Bei der Alpage de Torrent treffe ich ein junges Paar aus Oregon. Auch sie wollten biwakieren, steigen nun aber wegen des Wetters ins Tal ab. Oben beim Lac des Autannes ist der Regen immer noch unverändert stark. Ich suche mir einen guten Platz für das Zelt. Das ist gar nicht so einfach, denn an jeder der  einigermassen flachen Stellen haben sich grosse Pfützen gebildet. Das Zelt ist dann schnell aufgebaut, einer der sehr grossen Vorteile des Hilleberg Niak. Ich stecke die beiden Stangen zusammen und führe sie vorsichtig durch den Kanal. Das dauert nicht einmal 2 Min. und das Zelt steht. Die 6 Heringe sind schnell fixiert. Dann schnell hinein in die gute Stube. Nun sitze ich klatschnass bis auf die Unterwäsche im Trockenen.  Zum Glück ist das Material im Rucksack trocken geblieben. Ich rolle die Isomatte und den Schlafsack  aus, entledige mich der klatschnassen Klamotten und verkrieche mich im Schlafsack. Der Regen trommelt mit unveränderter Stärke weiter auf das Zelt, es ist Zeit für ein Nickerchen und warten auf besseres Wetter.

Eine Stunde später lässt der Regen endlich nach.  Wenn ich noch Fotos machen will muss ich jetzt raus. Die trockene Reserve Wäsche soll vorläufig noch Reserve bleiben. Also rein in die nassen Klamotten so nach dem Motto, am Körper trocknet das Zeug am schnellsten. Der Himmel ist bedeckt,  von der Sonne ist nichts zu sehen. Das Licht ist trotzdem schön.  Ich wandere umher und suche mir Positionen die gute Bilder versprechen. Der See zusammen mit dem Moiry Gletscher und der Dent Blanche ist das Hauptmotiv.

Ganz alleine bin ich aber nicht. Ein immer wiederkehrendes helles Klacken fällt mir auf. Ich denke sofort an Steinböcke. Tatsächlich entdecke ich sie mit dem Fernglas weit oben unterhalb des Col de Torrent. Beobachtet von einem mächtigen Bock üben sich die halbstarken im Kampf. Immer wieder stehen sie auf die Hinterbeine und knallen mit Kopf und Horn gegeneinander. Das Geräusch ist im ganzen Kessel gut zu hören. An den Hängen des Diablon rollen immer wieder Steine herunter. Auslöser ist ein Rudel Gämsen die sich weit oben in den Hängen tummelt. Ich überlege kurz, ob ich mit dem langen Tele zu den Steinböcken hinauf steigen soll. Ich entscheide mich dagegen, bis ich oben sein werde wird es zu dunkel sein. Später fängt es wieder an zu regnen und ich ziehe mich definitiv in das trockene Zelt zurück.

Nachts um 1 Uhr ist es sternenklar, alle Wolken sind weg. Eigentlich so sage ich mir musst du jetzt raus. Es sind beste Bedingungen für Astrobilder. Ich mag aber nicht mehr in die nassen Klamotten steigen und bleibe liegen. Dann aber, am frühen Morgen gibt es kein Pardon mehr. Ein leichter Wind weht, das Wasser im See ist nicht ganz ruhig wie ich es gerne gehabt hätte. Ich gehe zum See hinunter und gebe mich der Fotografie hin. Der Himmel  färbt sich leicht rötlich ein. Die Zeit vor oder nach Sonnenaufgang ist die schönste. Erleben kann man sie meistens nur, wenn man biwakiert. Schliesslich geht die Sonne auf und die zauberhafte Stimmung ist vorbei. Zufrieden packe ich meine Sachen zusammen und steige gemütlich und zufrieden hinab zum Parkplatz bei der Staumauer.

Nur eine Sache regt mich noch ziemlich auf. Unterhalb der Alpage Torrent stink es plötzlich penetrant nach Gülle. Die Ursache ist schnell gefunden. Die entleeren am Morgen, wenn noch keine Wanderer unterwegs sind, die ganze Gülle aus dem grossen Stall einfach über die Alpwiese. In meinen Augen eine Riesenschweinerei. Ich mache zu Dokumentationszwecken ein Foto und überlege mir nun, wohin ich das melden soll. Ich habe nämlich Zweifel, ob das legal ist.

Unten bei der Staumauer treffen die ersten Wanderer ein. Der übliche Sommeralltag kehrt ein. Ich aber mache mich zufrieden auf den Heimweg.